Mehr Fakten, weniger EmotionenDiedel77 hat geschrieben: 12.10.2024 16:30Schade kann ich nicht lesen.blue&white hat geschrieben: 12.10.2024 16:09 In diesem Fall auch mal ein Lob an die NWZ/Minten für diesen ausgewogenen, gut einordnenden Kommentar. Man könnte höchstens anfügen nach seinem letzten Satz: ...ja, aber die Finanzierung aller anderen Bürgerinteressen, wie Kultur und Spaß, in einer Stadtgesellschaft auch.
https://zeitungskiosk.nwzonline.de/titl ... 35725/17/2
Zwischen den Zeilen
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4 min.
Markus Minten
Ganz unabhängig davon, wie man zu einem möglichen Stadionbau für den Profifußball in Oldenburg steht, sollte man in der Diskussion sachlich bleiben. Ich zum Beispiel werde von den Stadiongegnern immer wieder als Befürworter bezeichnet, während Fußballfans in mir einen Gegner des Neubaus sehen. Man macht sich die Welt halt gerne, wie sie einem gefällt. Eine kritische Begleitung ist in Ordnung, sogar notwendig. Sie sollte aber auf Grundlagen von Fakten basieren.
Sportliche Misere
Aktuell ist in der Diskussion die sportliche Misere des VfB Oldenburg wieder großes Thema. Wie kann die Stadt nur für einen Verein, der bald vielleicht in der fünften Liga spielt, derart viel Geld ausgeben? So verständlich und naheliegend diese Frage auch erscheint, greift sie zu kurz. Wer kann heute sagen, in welcher Liga der VfB 2028 kicken wird, wenn das Stadion frühestens fertig wäre? Wo steht geschrieben, dass nicht vielleicht sogar ein anderer Verein aus der Stadt oder Region dann höher spielt und Bedarf an einer solchen Spielstätte hat? Wo, dass es eine schlagkräftige Spielgemeinschaft oder eine Fusion gibt? Zugegeben: Die letzten beiden Überlegungen sind vielleicht nicht sehr wahrscheinlich. Gänzlich unrealistisch sind sie aber auch nicht.
Entscheidung akzeptieren
Es ist und bleibt eine Grundsatzentscheidung, ob sich die Stadt, ob sich die Bürgerinnen und Bürger, vertreten durch die Ratsmitglieder, ein solches Stadion leisten wollen oder nicht. Und die Entscheidung muss einmal gefällt werden – und sollte im Idealfall dann auch nicht bei jeder Gelegenheit thematisiert werden. Eine Vertagung bis in den nächsten Kommunalwahlkampf kann auch keine Lösung sein. Wollen wir derartige Entscheidungen dann alle fünf Jahre wieder auf die Tagesordnung bringen? Zudem wäre es fatal, wenn die Wählerinnen und Wähler auf Grundlage eines einzigen Themas ihre Stimmen abgeben sollen.
Mysterium Haushalt
Aber auch die Frage, nein die Kritik, warum 68 Millionen Euro, manchmal sogar 70 Millionen Euro nicht im Haushalt des kommenden Jahres auftauchen, wird argwöhnisch in die Diskussion geworfen. Das könne doch nicht mit rechten Dingen zu gehen. Tut es bisher allerdings. Mal abgesehen von den Summen, die – so wahrscheinlich sie am Ende auch sein mögen – bisher nicht bestätigt sind, gibt es zwei Gründe, warum der Stadionbau nicht im Haushaltsentwurf der Verwaltung auftaucht: Die Stadt wird das Stadion nicht selbst bauen, sondern die von ihr eigens für diesen Zweck gegründete Stadiongesellschaft. Und: Das Bauwerk würde mit einem überschaubaren Anteil an vorhandenem Geld bezahlt. Der Großteil wird über Kredite finanziert. Im Haushalt werden somit nach Fertigstellung vor allem die Kosten für Betrieb und Unterhaltung stehen, die Lasten für Zins- und Tilgungen tauchen im Wirtschaftsplan und Jahresabschluss der Stadiongesellschaft auf. Diese wiederum wird Zuschüsse von der Stadt erhalten, die jährlich anzupassen sind. Für das kommende Jahr sind das 240.000 Euro, nach Fertigstellung prognostiziert zwischen 1,6 und 2,3 Millionen Euro. Darin kann man haushalterische Tricksereien vermuten, es sind allerdings übliche Vorgehensweisen, wie sie seit Jahrzehnten beispielsweise bei den Weser-Ems-Hallen funktionieren.
Aber mal ganz ehrlich: All diese Diskussionen sind eigentlich zweitrangig. Am Ende zahlt weder die Stadt noch die Stadiongesellschaft. Es zahlen die Steuerzahler.
