...und ein Update aus Ghana
Am Montag war ich bei
Namibia - Marokko (1-5) vor ca. 3000 Zuschauern. Grund dafuer ist wohl vor allem die fruehe Anstosszeit gewesen, alle anderen Spiele haben mind. 15.000 Zuschauer. Wir haben uns statt auf unseren Billigplaetze ueber den Pressebereich in die teureren geschlichen und dort steht doch glatt ein Weisser in Anzugshose, weissem Hemd und grimmingen Blick. Wer kann das nur sein? Ja, es ist Arminias Trainer des Jahrhunderts, E.Middendorp. Zwei Tage spaeter schreibt das Fan Magazinb der Hearts of Oaks, dass Midde vermutlich zu ihnen zurueckkehren wird. Das Spiel an sich ist ganz unterhaltsam, insbesondere das kleine Grueppchen der Marokkaner neben uns flippt regelmaessig aus.
Danach sind wir in Ryan s Irischen Pub gefahren, angeblich der einzige Afrikas. Bei diesem Iren in Ghane hab ich dann urkainisch gegessen.
Di konnte ich mich endlich mit Sonja treffen, sie arbeit in dem
touristischen Stadtteil Osu. Dort habe ich dann zum erstenmal auch nervige Ghanaer kennengelernt: Haendler, die es auf Touristen abegesehen haben. Am unangenehmsten ein Rastafari, der mit einer Verlogenheit entsprechend der Groesse seiner doofen Kuhaugen mir versuchte div. Armbaender aufzuschwatzen, was mich ueberlegen liess, wie sehr wohl Rastafaritum und Asozialitaet korrelieren. Zu Hilfe kam mir dann Ghanaer Vincent mit dem ich mich sehr entspannt eine halbe Stunde unterhalten konnte.
Am Mittwoch haben wir uns dann ganz dekadent mal ein paar Stunden an die Pools eines Vier-Sterne-Hotels gelegt.
Do waren wir wieder ueber Kobby Karten fuer den Doppelspieltag der
Gruppe A bekommen. Guinea hat mir sehr gut gefallen, ihr 3-2 gg Marokka war verdient. Ghana war wieder enttaeuschend, das Spiel langweilig und die Zuschauer nervig (troet!). Ich habe mir 90min mal den Essien angeschaut. Er hat sich kaum bewegt, wenig BK und das Spiel lief an ihm vorbei. Kein Chef, kein Antreiber, gar nichts in dem Spiel.
Gag des Tages: Der Toliettenabpumpwagen, der schon waehrend des Spiels die Stadiontoilleten reinigte, spielte ueber externe Lautsprecher ohne Unterlass "Happz Birthday". Warum auch immer.
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So, dann fange ich mal mit den
negativen Dingen an

- davon wollte ich eigentlich wenig schreiben, weil wir in Deutschland ja schon genug negatives ueber Afrika hoeren, irgendwo in den eurozentristischen Nachrichten zw Biathlon Weltcup und Rentenbeitragserhoehungsdiskussionen passen grad noch ein paar Tausend Tote waehrend positivies praktisch gar nicht erwaehnt wird.
Der innenstaedtische Bereich Accras ist inzwischen chronisch mit Autos verstopft. Die gesamte Stadt wird von hauptsaechlich
vier Geruechen dominiert. Im Center und auf allen grossen Strassen ein staendiger, penetranter Geruch nach Abgasen und Smog. In allen anderen Bereichen der Stadt ein konstanter Geruch nach Faekalien, der den offenen Abwasserkanaelen an den Seiten der Strassen entstroemt. Unterbrochen werden diese Basisgerueche ab uind an von etwas beissendem-scharfen, dessen Herkunft ich bisher nicht rausgekriegt habe und von dem Gestank nach brennenden Abfaellen, die jeder Haushalt alle paar Tage abfackelt, da es keine Muellabfuhr gibt.
Der Ghanaer an sich laesst voellig selbstverstaendlich fast jeglichen
Muell auf die Strasse fallen. Vor allem da praktisch alles in Plastiktueten verpackt wird und ueberall kleine, praktischen 500ml Wassertueten verkauft werden, sind sowohl die grossen Staedte als auch die kleine Doerfer mit Muell gespickt. Zumindest in Accra wurden nun Abfalleimer aufgestellt und die Regierung startet Kampagnen fuer eine saubere(re) Stadt.
Sonja stoert sich immer mehr an den staendigen Bitten um ihre Telefonnnummern, indirekten
Heiratsangeboten und all den vermeindlich unverbindlichen Kommunikationsversuchen, die dann doch irgendetwas beabsichtigen. Es ist tatsaechlich so, dass viele Ghanaer natuerlich nach Deutschland wollen (weil: "is one of the world s greatest places") und sie dafuer zumindest einen Kontakt dort brauchen - eine ganze Frau is da natuerlich noch besser. Die allermeisten werden dabei nicht penetrant oder gar unverschmaet, es ist eher die Haeufigkeit. Mich haben biser grad mal zwei Leute nach direkt nach Telefonummer und aehnlichem gefragt. Eine Frau aus Nigeria, die extra wegen des Cups angereist ist und der es daher nicht so schlecht gehen kann und ein der Sicherheitsbeamte des Luxushotels, das wir einen nachmittag wegen der Pools besucht haben.
Hier zu leben ist deutlich komplierzierter und teuer als ich annahm. Was mich auf Dauer stoert ist, dass weder Stadt noch Natur eine besondere Schoenheit oder Aesthetik austrahlen. So ist es ja oft so, dass arme Laender dem Touristen ein tollen Klima, eine schoene Natur oder historische Altstaedte bieten koennen - davon gibt es in Accra und in den Teilen des Landes, die ich bisher sah, wenig
Insgesamt faellt auf, wie wenig
sexualiert sich die ghananische Gesellschaft gibt. (Halb)(Nacktes in den Medien, in Werbungen gibt es praktisch nicht zu sehen, auch die Frauen kleiden sich eher zuechtig. Die hohe Religioesitaet kann der alleinige Grund eigentlich nicht sein. Die Maedels in Ecuador waren mit Sicherheit genauso glaeubig und trotzdem musste man sich vor Angeboten bald retten (wenn man sich denn retten wollte).
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Gestern bin ich um 5 hoch um den Bus in die
Zwillingsstaedte Sekondi-Takoradi zu erwischen, dort spielte gestern die Gruppe B mit Nigeria und Elfenbeinkueste. Statt wie von Sonja angenommen einer Verspaetung von bis 3 Std fuhren wir puenklich los und waren schon um halb eins in Takoradi. Unterwegs nur ein umgekippter Laster und div Schlafloecher und einige schoene Aussichten auf den atlantischen Ozean.
In Takoradi konnte ich gleich Tickets kaufen, doch dann gingen die Probleme los. Auf dem Fussmarsch bei 38 Grad zum Hotel faellt mir kurz vorher auf, dass ich das falsche ansteuere. Fahre mit dem Taxi zum richtigen. Hier erweisen sich die Angaben meines Reisefuerhers als dated, die Preise haben sich verzweieinhalbfacht und ich hab nicht genug Geld. Man schickt mich zur naechsten Barclays Filiale. Dort aber koennen keine auslaendischen Kunden bedient werden. Der Sicherheitsmann ruft ein Taxi und laesst mich zur Hauptfiale fahren. Der Zustaendige dort verweigert meinem Personalausweis seine Gueltigkeit und will mir auf sture Buerokratenarschlochmanier kein Geld auszahlen (der Ghanaer an sich ist - in der entsprechenden Position - ein echtet Paragrahpenreiter und Buerokrat - wie es in vielen suedlichen Laendern zu sein scheint. Als ob sich bewusst vom Volk und dem allgemeinen Image absetzen wollen waehrend im vermeindlichen Beamtenland Deutschland es bald lockerer zugeht). Mein Hinweis, dass ich bereits zweimal bei Barclays in Accra so Geld bekommen, interessiert ihn nicht, auch dort anrufen will er nicht. Ich also raus. Bei der GCB muss ich bis zur Mangerin vordringen um yu erfahren, dass sie Kreditkarten hier gar nich annehmen koennen, so auch bei der Standard. Ich rufe div. Hotels an, alle ausgebucht. Mir schwant, dass ich mir keines werde leisten koennen und fahre zur Busstation. Dort krieg ich ein Ticket fuer den Bus um 2.30 zurueck nach Accra. Ein Taxifahrer weisst mir den Weg zur naechsten TroTro Station von ich nach Sekondi kommen kann. Als das TroTro fast leer ist spreche ich eine grimmig guckend Frau an, wo ich denn in Sekondi am besten aussteigen soll und bedanke mich freundlich. Und da ist es wieder: ihr Gesicht strahlt auf. Da koennen sie gar nicht anders, das ist wohl ein Reflex. Selbst der grimmigst guckende Ghanaer MUSS laechlen, wenn ihm ein solches entgegengebracht wird.
Wir steigen aus, sie geht ihrer Wege, ich gucke mich um nach einer Minute ist sie ploetyzlich wieder da und moechte mir den Weg zu den TroTros zum ausserhalb gelegenden Stadion zeigen. Dort steigt sie mit mir aus, begleitet mich noch ein paar Hundert Meter, obwohl es nicht ihre Richtung ist, und uebergibt mich an eine Freundin.
Vermutlich ist diese Hilfsbereitschaft auch (!) ein Mittel um die schlechte Infrastruktur und oft nicht funktionierende Metaszstem der Gesellschaft zu kompensieren.
Um 4 bin ich dann endlich im Stadion und kauf mir das erste richtige Essen des Tages, ghanisches Spezialitaet, scharfer Reis mit Huhn.
Die Elfenbeinkueste fertigt Benin, die den putzigen Spitznamen "The Squirrel@s tragen, mit 4-1 ab und zwischendurch frage ich mich, was ich hier am westafrikanischen Ende der Welt eigentlich mache.
Nach einem Engerydrink und waherend des 0-0 zw den masslos enttaeuschenden, nicht kaempfenden und ohne Teamgeist auftretenden Nigerianern gegen Mali hab ich wieder meinen Spass.
In dem chaotischen Treiben vor dem Stadion treffe ich die Koreanerin Jill die ebenfalls nach Takoradi muss, weil sie gehoert hat, dass um 4 Uhr morgens ein Bus nach Kumasi fahre. Sie hat offentlich noch deutlich wildere Reisen vor als ich. Dann aber entdecke ich tatsaechlich einen Haufen Busse, die nach Accra direkt vom Stadion aus fahren. Was ein Glueck!...Informationen vorab waeren aber auch nicht schlecht gewesen.
Und da sitz ich dann gut gelaunt mit knapp hundert Schwarzen im Bus, unterhalte mich mit meinen Nebenleuten aus Ghana, Mali und Nigeria, will grad anfangen zu lesen, da macht der Fahrer auch schon das Licht aus. Klar, es ist schon nach 10 und der Ghanaer geht frueh schlafen...er steht ja auch frueh auf. Mit Taschenlampe lese ich im unterhaltsamen Buch "Die [EDIT] Beharrlichkeit der Philiosophen" waehrend wir zurueckruckeln und alles drumherum schlaeft. Als ich das auch tun will krieg ich bald einen Jaehzornsanfall, denn irgendein Hammelkopf, ein Buerokrat, eine Verwaltung, was auch immer, hat, warum auch immer, auf den 250 Km alle paar Hundert Meter, mal in kurzen mal in langen Abstaenden, so dass man sich nicht einmal auf eine Regelmaessigkeit einstellen kann, 3 bis 6 leichte Betonerhoehungen in Form von Streifen auf die Fahrbann giessen lassen. Es ist also VOELLIG UNMOEGLICH auch nur laenger als 5min zu schlafen, weil man dann -bambambambam- aus seinem Sitz geschossen wird. Selbst einige der grundgeduligen Schwarzen regen sich auf, die anderen...schlafen. Ich nehm es dann irgendwann mit Humor und schreibe in Gedanken schon diesen Beitrag und traeume vor mich hin. Um 2 bin ich dann 21 Stunden spaeter wieder zu Hause, geile Auswaertsfahrt.
Heute mach ich gar nichts ausser Erholen, Internet und auf die Spiele ab 5 warten. Ausserdem guck ich noch mal nach frueheren Rueckfluegen, irgendwie hab ich schon wieder Bock auf Deutschland, Regen und mein Weib, auch wenn ich hier noch einiges vorhabe und es kommt mir vor als ob ich viel laenger als diese eine Woche hier bin