Vorschau BFC Dynamo
Verfasst: 22.05.2022 12:15
Seit gestern ist sozusagen amtlich , der VfB ist der diesjährige Meister der RL Nord und hat sich damit für die Relegationsrunde gegen den Meister der RL Nordost qualifiziert. Die Wahrscheinlichkeit, dass in diese Relegation der BFC Dynamo und der VfB Oldenburg aufeinandertreffen würden, war schon vor einigen Wochen groß und ist schon vor den jeweils letzten Ligaspielen zur faktischen Gewissheit geworden, auf beiden Seiten.
Damit war für mich Zeit genug, mich mal intensiver mit dem Relegationsgegner zu beschäftigen. Eine Corona-bedingte Quarantäne im April hat dann auch noch geholfen, Zeit zu erübrigen. Nachfolgend nun Teil 1 der Vorschau, in dem auf den Verein BFC Dynamo eingegangen wird. Zu danken habe ich dem kürzlich bei uns aufgetauchten Forumsmitglied "weinrotweiss", dessen Ratschläge und Hinweise sehr hilfreich waren.
Hier nun der erste Teil (Fortsetzungen im Lauf der Woche):
Der BFC Dynamo - Verein, Geschichte, Umfeld
Der Berliner FC Dynamo (nachfolgend zumeist kurz „BFC“ genannt) ist ein Fußballverein aus dem Berliner Bezirk Lichtenberg, genauer gesagt dem dortigen Ortsteil Althohenschönhausen. Der Bezirk Lichtenberg ist, was die Einwohnerzahl anbelangt, mit rd. 300.000 Einwohnern beinahe doppelt so groß wie die Stadt Oldenburg. In Lichtenberg gibt es mit dem SV Lichtenberg 47 einen weiteren RL-Verein, der aber im unteren Drittel der Tabelle steht.
Der BFC Dynamo war einmal - zu anderen Zeiten und unter ganz anderen Bedingungen - der 10fache Rekordmeister und dreimalige Pokalsieger der DDR. An diese Zeiten erinnert noch der eine Meisterstern auf den Trikots, den der DFB dem BFC für die 10 DDR-Meistertitel zugestanden hat (für 10 Bundesliga-Titel gibt es 4 Sterne vom DFB).
Als DDR-Fußballmeister hat der BFC auch regelmäßig im Europapokal (damals noch nicht Champions League) gespielt. Auch wenn hier wirklich große Erfolge nicht erreicht werden konnten, erinnert man sich gerne an Europapokal-Spielen etwa gegen britische Vereine (FC Liverpool, Aston Villa, Nottingham Forest, FC Aberdeen) aber auch gegen andere bekannte europäische Größen (u. a. den AS Rom und Roter Stern Belgrad).
Zwei deutsch-deutsche Begegnungen gab es im Europapokal (Landesmeister) auch. Im Oktober 1982 traf man auf den späteren Europacup-Sieger HSV (Hinspiel in Berlin 1:1, Rückspiel 2:0 für den HSV). 6 Jahre später, 1988, bekam man Werder Bremen (damals noch mit „König Otto“) zugelost. Das Hinspiel in Berlin ging glatt mit 3:0 an den BFC; ein Weiterkommen war zum Greifen nahe. Das Rückspiel gilt je nach Blickwinkel als „Wunder von der Weser“ oder als Skandalspiel. Werder gewann in einer aufgeheizten und feindseligen Atmosphäre mit 5:0 (1:0). Der BFC brach in der zweiten Halbzeit völlig ein. Werder-Manager Lemke hatte zuvor noch tief in die Trickkiste gegriffen (Einkaufstour mit Werder-Rabatt für die Dynamo-Spieler am Spieltag), um die Konzentration auf das anstehende Spiel „bestmöglich“ zu stören.
In der DDR waren Sportvereine staatlichen Institutionen oder Industriebetrieben (Kombinaten) zugeordnet, über die sie auch finanziert wurden. Dynamo-Vereine und Sportgemeinschaften waren im Umfeld von Polizei, Zoll und Sicherheitsbehörden angesiedelt, so der BFC Dynamo oder auch Dynamo Dresden.
Im Zuge der Wende war es damit dann vorbei. Der BFC Dynamo verlor seine materielle Basis und erst recht seine politische Vorzugsstellung. 1990 versuchte man durch das Ablegen des Namens „Dynamo“ vom alten Image wegzukommen, allerdings ohne nennenswerten Erfolg. 1999 kam das „Dynamo“ wieder in den Vereinsnamen zurück; man wollte sich nicht mehr von der eigenen Tradition lossagen.
Dass der BFC Dynamo zu DDR-Zeiten als DDR-Hauptstadtverein vieler Hinsicht von mächtiger politischer Protektion profitiert hat, ist unstrittig. Sportlich war das gelegentlich durchaus problematisch Allerdings sprechen die belegbaren Fakten nicht gleichermaßen dafür, dass die politische Bevorzugung so eindeutig war, wie sie vielfach unterstellt wurde. So stand etwa im 22er Aufgebot der DDR für die WM 1974 mit Reinhard Lauck nur ein Spieler des BFC, aber gleich mehrere aus Magdeburg oder Jena. Kein Vergleich also mit der Bayern-Lastigkeit der bundesdeutschen Nationalmannschaft.
Dennoch erweckte der BFC Dynamo anderenorts zu DDR-Zeiten reichlich Missgunst und Ablehnung, und das nicht nur aufgrund der sportlichen Sonderstellung, sondern auch aus eher politisch-oppositionellen Gründen.
Direkt nach der Wende gab es dann bei Spielen der DDR-Oberliga und speziell bei Auswärtsspielen des BFC vielfach ausartende Krawalle, bei denen sich aufgestaute Aggressionen Bahn brachen. Im besonderem Maß richteten die sich gegen den „Stasi-Verein“ BFC Dynamo. Das schaukelte sich häufig auf, da der BFC seinerseits auch von gewaltgeneigten Hooligangruppen begleitet wurde. Die schon in Auflösung befindliche und orientierungslos gewordene DDR-Polizei war dem weder mental noch einsatztaktisch gewachsen.
Trauriger Höhepunkt dieser Ereignisse war der Tod des Dynamo-Fans Mike Polley, der im November 1990 in Leipzig am Rande eines Auswärtsspiels beim FC Sachsen Leipzig von einem Polizisten erschossen wurde. Mindestens 5 weitere Dynamo-Fans erlitten damals durch das Vorgehen der Polizei schwere Verletzungen. Aufgeklärt wurden die näheren Umstände des aus dem Ruder gelaufenen Polizeieinsatzes anschließend nicht, von Verfahren gegen die Verantwortlichen ganz zu schweigen.
Die seinerzeitigen Ereignisse haben auf jeden Fall im kollektiven Bewusstsein der Dynamo-Fanszene und des Vereins selbst ihre Spuren hinterlassen und eine „Nun-Erst-Recht-Stimmung“ befördert, die wohl auch dazu beigetragen hat, den BFC durch die in jeder Hinsicht schwierige Nach-Wende-Zeit zu tragen.
Rechtsradikal angehauchte und potenziell gewaltbereite Gruppen spielen in der Dynamo-Fanszene leider auch weiterhin eine gewisse Rolle, dominieren diese aber inzwischen längst nicht mehr so wie in den frühen 1990er Jahren. Den von der Polizei geführten ABC-Listen gewalttätiger oder gewaltgeneigte Fans sollte man bei einer Einschätzung der Fanszene jedenfalls nicht vorbehaltlos vertrauen. Zu einer Beruhigung des Umfelds hat natürlich auch die inzwischen erreichte organisatorische, wirtschaftliche und sportliche Konsolidierung des BFC wesentlich beigetragen. Der Verein selber bekennt sich offensiv zu Gewaltfreiheit und leistet eine weithin anerkannt gute Nachwuchs- und Integrationsarbeit im Bezirk Lichtenberg.
Wirtschaftlich durchlebte der BFC nach der Wende schwierige Zeiten, die im Jahr 2004 zu einer Insolvenz führten (bei der dann auch das alte Dynamo-Logo verloren ging); sportlich ging es runter bis in die Fünftklassigkeit (Oberliga Berlin). Erfolge gab es immerhin im Berliner Landespokal, der zwischen 1999 und 2021 gleich 7 x gewonnen wurde und Zusatzeinnahmen aus der Teilnahme am DFB-Pokal einbrachte. 2014 gelang dann der Aufstieg in die Regionalliga Nordost (ehemalige DDR plus ehemaliges West-Berlin). Hier ging es bisher maximal bis Platz 4 hoch, bevor in dieser Saison die Meisterschaft der RL Nordost recht souverän gewonnen wurde. Der Aufstieg in die Dritte Liga ist jetzt das erklärte Ziel des Vereins. Perspektivisch möchte man sogar durchaus noch höher hinaus. Wie das gehen kann, hat südlich von Lichtenberg, in Köpenick, der FC Union ja eindrucksvoll vorgeführt.
„Zuschauerkrösus“ in der RL Nordost ist der BFC beileibe nicht. In der gerade beendeten Meister-Saison liegt der Zuschauerschnitt bei Heimspielen bei knapp unter 1.700 Zuschauern und damit deutlich unter dem Schnitt der Ligakonkurrenten aus Cottbus (rd. 3.900), Leipzig (Chemie rd. 3.400, Lokomotive rd. 2.500), Jena (knapp 2.400), Chemnitz (knapp 2.300) und Babelsberg (fast 1.900).
Wirtschaftlich wird der BFC Dynamo von mittelständischen Privatunternehmen getragen. Zu nennen sind diesbezüglich die INFINITY GmbH, ein Telekommunikationsdienstleister, die DWB-Holding (Dennis Wisbar Bau), eine Firmengruppe der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie die UNITEC GmbH (Fassadengestaltung und -sanierung). Die DWB ist zugleich auch Trikotsponsor. Ein „Big-Money-Klub“ ist der BFC damit nun wirklich nicht. Für die Dritte Liga soll ein Etat von immerhin „um die vier Millionen Euro gestemmt werden“ (Quelle: „Berliner Kurier“ vom 01. 03. 2022). Für einen Aufsteiger wäre das dann schon eine ordentliche „Hausnummer“.
Aktuell schlagen Auflagen des DFB zu, wonach eine bar zu hinterlegende Sicherheit von € 0,9 Mio. gefordert wird und zugleich eine Kürzung der Fernsehgelder um € 0,2 Mio. wegen fehlender Rasenheizung droht. Der DFB hat schon ein Herz für sportlich aufstrebende Vereine …
Die derzeitige Spielstätte des BFC liegt im Sportforum Hohenschönhausen, einem Komplex mit diversen Spiel- und Trainingsstätten für unterschiedliche Sportarten im Besitz des Landes Berlin. Das dortige Stadion ist allerdings nicht Drittliga-tauglich. Ein Ausbau mit der notwendigen Ertüchtigung für Drittliga-Fußball steht von politischer Seite aktuell wohl auch nicht zur Debatte.
Im Fall eines Aufstiegs würde man in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark (Bezirk Prenzlauer Berg) ausweichen, wo der BFC Dynamo schon zu DDR-Zeiten und auch noch danach für einige Jahre seine Heimspiele ausgetragen hat. Das Jahn-Stadion ähnelt vom Zuschnitt, sieht man einmal vom Flutlicht ab, durchaus dem Marschwegstadion. Lange würde man aber in diesem Stadion auch nicht bleiben können. Bereits 2023 oder 2024 soll dort mit dem Bau eines Inklusions-Sportzentrums (bzw. mit dem dafür geplanten Abriss des Jahn-Stadions) begonnen werden, ein - derzeit - auf um die € 200 Mio. veranschlagtes Projekt. Wo dann im östlichen Berlin Drittliga-Fußball stattfinden kann, muss die Zukunft erweisen.
Das so nicht erwartete große Interesse für die Vorschau auf unseren Relegationsgegner, über 1.000 Aufrufe innerhalb von 24 Stunden, hat mich veranlasst, mich mit dem zweiten Teil etwas zu beeilen. Hier ist er:
Teil 2:
Die Meistermannschaft des BFC Dynamo
Die im Text enthaltenen Informationen zu den erzielten Toren beinhalten Tore in Ligaspielen der RL Nordost (Angaben lt. Transfermarkt.de).
Auch wenn die zwei Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 Corona-bedingt vorzeitig abgebrochen wurden (2020/21 konnte der BFC nur 11 Spiele bestreiten, 2019/20 waren es immerhin noch 23 Spiele), war man sich beim im Verein darüber im Klaren, dass eine wirkliche Verstärkung des Kaders in der Spitze und in der Breite notwendig war, um aus dem Liga-Mittelmaß herauszukommen.
Im Sommer 2021 wurden 13 neue Spieler (darunter allerdings 5 ehemalige U19-Spieler) verpflichtet, zu denen im Winter 2021/22 noch zwei weitere hinzukamen. Im Gegenzug trennte man sich im Sommer von 7 Spielern, im Winter dann noch von einem weiteren. Der Kader wurde mit diesen Transfers vergrößert und umfasst jetzt 3 Torhüter, je 9 Abwehr- und Mittelfeldspieler und 6 Angreifer, insgesamt also 27 Spieler.
Als besonders gelungen kann man sicherlich die Verpflichtung des Mittelstürmers Christian Beck ansehen, der zuvor in 8 Jahren beim FC Magdeburg zur Stürmerlegende geworden ist. Fast 400 Spiele, davon mehr als 200 in der 3. bzw. 2. Bundesliga und 159 Tore, ein Rekord, der so schnell nicht zu überbieten sein wird.
Nach zwei für den FCM enttäuschenden Drittliga-Spielzeiten wurde der immerhin schon 34jährige Beck dort verabschiedet. Beim BFC Dynamo erlebt er jetzt seinen 3., 4. oder wievielten? (schwer zu sagen) sportlichen Frühling. Mit 23 Toren ist er der Top-Torjäger nicht nur seiner Mannschaft, sondern der RL Nordost. Hinzu rd. kommen 8 Torvorlagen und etliche indirekte Torbeteiligungen durch seine bloße Anwesenheit im gegnerischen Strafraum, die Innenverteidiger bindet. Der 1,96 m große Linksfuß Beck ist, natürlich, ein ausgesprochener Kopfballspezialist (9 Kopfballtore) mit dem Instinkt, sich im Strafraum im entscheidenden Moment der Bewachung zu entziehen. Er ist nicht nur selbst brandgefährlich, auch seine Nebenleute profitieren enorm von ihm.
Als ein weiterer Glücksgriff hat sich die Verpflichtung von Torhüter Dmitri Stajila. Der 30jährige ehemalige U19- und U21- Torwart Moldawiens war vereinslos, musste sich selbst am Spielermarkt anbieten und hatte das Glück, dass Trainer Benbennek bei ihm „anbiss“. Das Glück ist inzwischen beiderseitig. Der 2,04m-Riese Stajila verdrängte auf Anhieb den bisherigen Stammtorhüter Kevin Sommer als Nr. 1 im Tor des BFC. Stajila war in seiner ersten Saison beim BFC der große Rückhalt für die Defensive und wird von einer Berliner Boulevardzeitung schon als „Aufstiegsversicherung“ gefeiert; durchaus voreilig, wenn es nach mir geht.
Zum festen Stamm gehören von den Neuzugängen auch die beiden Außenverteidiger Sebastian Hertner (Türkgücü München) für die linke Seite und Andreas Wiegel (vereinslos) für die rechte Seite, wobei die Nachverpflichtung Hertners im Winter wohl auch dem langwierigen Ausfall des verletzten Max-Peter Klump geschuldet ist.
Durchgesetzt hat sich von den Neuzugängen auch Darryl Geurts (Union Fürstenwalde), eine offensiver Spieler für die linke Außenbahn. Felix Meier, der auf der linken Seite defensiv eingesetzt wird, ist ein Neuzugang, der zumindest ziemlich regelmäßig als Einwechselspieler gebracht wird.
Auf den übrigen Positionen findet man durchweg Spieler, die schon etwas länger für den BFC spielen. Das gilt für die Innenverteidigung, das komplette Mittelfeld sowie für die Position einer zweiten Angriffsspitze neben (hinter) Christian Beck, die Andor Bolyki einnimmt.
In welcher Formation und Spielweise darf man die Dynamos in den Relegationsspielen erwarten? Trainer Benbennek lässt überwiegend in einer 4:3:3-Formation spielen, variiert aber gelegentlich auch zu einer 3:5:2-Grundordnung, bei der je nach mehr oder weniger offensiver Spielweise die Außenpositionen im Mittelfeld nach vorne oder nach hinten verschoben werden. Grundsätzlich wurde aber nahezu die gesamte RL-Saison mit einer klaren Offensivorientierung und hoch stehenden Abwehr- und Mittelfeldreihen bestritten.
Im Tor steht sicherlich Dmitri Stajila (12).
Als Innenverteidiger sind Chris Reher (13) und Michael Blum (21) zu erwarten. Rechtsfuß Reher bringt es auf eine Größe von 1,87m, Linksfuß Blum sogar auf eine von 1,89m. Zusammen mit ihrem 2,04m-Riesen von Torwart bilden sie eine starke Formation gegen hohe Bälle.
Für die Außenverteidigung dürften rechts Andreas Wiegel (77) und links Sebastian Hertner (33) erste Wahl sein.
Als 6er im Mittelfeld kommen mit Niclas Brandt (6) oder Philip Schulz (7) gleich zwei Spieler in Frage. Möglich sind die beiden auch gemeinsam als Doppel-6. Zumindest als Einwechselung für einen der beiden ist noch Marcel Stutter (5) eine Option, ein 1,88m-großer und beidfüßiger Spieler. Brandt (1,82m, Rechtsfuß) und Schulz (1,80m, beidfüßig) sind beide ein Stück kleiner.
Für das zentrale Mittelfeld sind Kapitän Andreas Pollasch (8) und der sehr torgefährliche (11 Tore) Alexander Siebeck (18) zu erwarten. Pollasch stand allerdings zuletzt mehrfach nicht in der Startformation. Mit 1,84m bzw. 1,83m in der Länge sind beide nicht gerade klein. Pollasch gilt als beidfüßig, Siebeck als Linksfuß.
Die rechte offensive Außenposition ist so etwas wie die „Schokoladenseite“ der Dynamo-Offensive. Über sie laufen zumeist mehr Angriffe als über die linke Seite oder direkt durch das zentrale Mittelfeld. Von der rechten Seite her kommt die Mehrzahl der Flanken für die zentral postierten Stürmer. Zwei Kandidaten mit hoher Qualität stehen hier zur Wahl. „Platzhalter“ ist wohl Joey Breitfeld (14), ein Spieler für die rechte Seite im Mittelfeld und mit 14 Torvorlagen der Top-Torvorbereiter der Mannschaft. Alternativ kommt Matthias Steinborn (23) in Frage, vom Typ her ein rechter Außenstürmer. Beide schlagen ihre Flanken bevorzugt von der Grundlinie hoch in den Strafraum. Steinborn zieht auch mal gerne nach Innen und sucht selbst den Abschluss. Gleichzeitig sieht man beide eher nicht auf dem Platz, häufig aber in einem Spiel abwechselnd nacheinander.
Die zentralen Positionen im Angriff sind ziemlich fest vergeben. Christian Beck (9) ist als „Turm der Schlacht“ im Strafraum eine feste Größe. Neben oder hinter ihm, zumeist etwas links versetzt spielt dann mit Andor Bolyki (27) ein interessanter und auch torgefährlicher (17 Tore zumeist mit dem rechten Fuß) zweiter zentraler Stürmer. Gemessen an den 1,96m des Linksfußes Beck ist Bolyki mit „nur“ 1,87m Körpergröße ein Stück kleiner aber durchaus noch groß genug für Kopfball-Abschlüsse im Strafraum. Er ist zudem ein technisch beschlagener und sehr beweglicher beidfüßiger Spieler und dadurch eine sehr gute Ergänzung zu Beck.
In der vorgestellten Formation stecken (Fettdruck) 11 Feldspieler, einer zu viel. Für ein offensives 4:3:3 müsste ein defensiver Mittelfeldspieler draußen bleiben, in einer mehr defensiven Variante träfe es einen zentralen/offensiven Mittelfeldspieler.
Eine Variante, auf die Trainer Benbennek gelegentlich durchaus auch zurückgreift, ist die Dreierkette in der Abwehr. Für diese würde dann ein Abwehrspieler zugunsten eines kompakt besetzten Mittelfelds herausfallen. Eine extrem offensive Startformation, bei der Darryl Geurts (11) zu Lasten eines Abwehr- oder Mittelfeldspielers als dritter Stürmer (Linksaußen) aufgeboten wird, halte ich nicht für wahrscheinlich.
Wen darf man auf der Bank erwarten?
Für das Tor Kevin Sommer (79);
für die Abwehr Felix Meier (4), Luca-Renè Heinrich (29), Bastian Schrewe (3) und, sofern er nach längerer Verletzungspause schon wieder so weit ist, Max-Peter Klump (19);
für das Mittelfeld ist jeder aus der Riege schon benannten Brandt (6), Schulz (7), Pollasch (8) und Siebeck (18), der nicht in der Startformation steht, ein sicherer Bankkandidat, dazu noch Marcel Stutter (5) und Theodor Bergmann (24).
Dass sich auf der rechten offensiven Außenbahn Matthias Steinborn (23) und Joey Breitfeld (14) häufig abwechseln, wurde bereits erwähnt. Einer von beiden (ich vermute Steinborn) dürfte demnach zunächst auf der Bank auf seinen Einsatz warten.
Im Angriff ist ansonsten Darryl Geurts (11) als Wechselalternative zu erwarten. Er ist ein torgefährlicher (8 Tore) linker Außenbahnspieler, der aber auch auf der rechten Seite spielen kann.
In den Ligaspielen hat Trainer Benbennek das Wechselkontingent von 5 Spielern durchaus nicht selten voll ausgeschöpft, ohne dass er dazu durch Verletzungen oder Platzverweis-Risiken gezwungen war. Breitfeld/Steinborn ist dabei ein beliebter Wechsel, häufig zwischen der 65. Und 75. Minute, um nochmals „frischen Wind“ reinzubringen. Aus taktischen Gründen wird aber auch schon mal zur zweiten Halbzeit gewechselt. Wenn es in der ersten nicht richtig geklappt hat, scheut der Trainer auch keinen frühen Doppelwechsel.
Der BFC Dynamo ist in der RL Nordost ganz überwiegend deutlich offensiv aufgetreten. Das Mittelfeld und die Abwehr stehen dann gewöhnlich recht hoch, um den gegnerischen Aufbau nicht zur Entfaltung kommen zu lassen und um Umschaltmomente zu erzwingen.
Am Ende einer sehr stark und konstant durchgespielten Saison mit nur einer kleinen und wohl Corona-bedingten schwächeren Serie (11. Bis 14. Spieltag: 3 Unentschieden, eine Niederlage) hat es dann zum Saisonende hin doch etwas geholpert. In den letzten 6 Punktspielen gab es nur zwei Siege (1:0 gegen TeBe Berlin und 4:2 im letzten Spiel im Jahn-Sportpark gegen die VSG Altglienicke), ansonsten zwei Unentschieden (2:2 in Auerbach und in 1:1 Fürstenwalde) und sogar zwei Heimniederlagen (jeweils 1:2 gegen Jena und gegen den Berliner AK).
Wirklich in Frage gestellt wurde die Meisterschaft in der RL Nordost damit aber nicht mehr. Lokomotive Leipzig, der einzige verbliebene ernsthafte Verfolger büßte zum Schluss hin weitaus mehr Punkte ein als der BFC und der FC Carl Zeiss Jena nahm die Verfolgung deutlich zu spät auf und konnte seinen längst schon viel zu großen gewordenen Rückstand dann auch absehbar nicht mehr aufholen.
Rein rechnerisch blieb es zwar noch bis zum letzten Spieltag offen, tatsächlich war die Meisterschaft aber schon mindestens 3 Spieltage vorher entschieden. Allerdings hat der BFC in den letzten Spielen einer insgesamt sehr starken Saison einige Schwächen gezeigt. Gegen Altglienicke etwa hätte es ohne eine wirklich bärenstarke Leistung von Torwart Stajila durchaus statt nur 2 auch 3, 4 oder 5 Gegentore geben können. Speziell in der eigentlich starken Innenverteidigung gab es etliche Abstimmungsprobleme und daraus resultierende Lücken. Und auch das Mittelfeld hatte defensiv nicht den ansonsten zumeist guten Zugriff.
Um diese gegenüber dem vorherigen Saisonverlauf abfallende Schlussphase einzuordnen:
Am plausibelsten erscheint es mir, hier einen Abfall der Spannung anzunehmen, nachdem der Meistertitel allenfalls rechnerisch noch nicht eingetütet war, faktisch (zu 99,99%) aber durchaus schon. Gegen so einen Spannungsabfall helfen eigene gute Vorsätze und Ansprachen des Trainers nur bedingt. Was wirklich hilft, ist der Aufbau neuer Spannung im Hinblick auf ein neues und noch höheres sportliches Ziel. Und was das anbelangt, dafür ist gesorgt.
Im dritten Teil (morgen) wird darauf eingegangen, wer Favorit für den Gewinn der Relegation ist, bzw. ob es (vor dem ersten Spiel) überhaut schon einen Favoriten gibt. Zudem (ich bin einfach mal so vermessen) ein paar Hinweise dazu, wie der BFC bespielt werden könnte/sollte.
Teil 3:
Zum Spiel oder zu den beiden Spielen
Die Frage: „Wer setzt sich in der Relegation durch?“, kann hier natürlich nicht beantwortet werden. Auch die Frage danach, wer wohl als Favorit anzusehen ist, kann ich nicht beantworten. Nicht unbedingt alles, aber doch vieles scheint möglich. Wie es am Ende ausgeht, wird nicht zuletzt von der jeweiligen Tagesform und von Zufallsfaktoren abhängen, die man gerne auch als „Spielglück“ oder eben als „Pech gehabt“ ansehen mag. Und, ganz wichtig, vom jeweiligen Nervenkostüm der Akteure. „Verkackte Relegation …“, so (oder so ähnlich) hat es Dynamos Christian Beck nach dem Sieg im letzten Spiel in einem Interview gesagt. Und Recht hat er! Die Relegation, in der zwei RL-Meister um einen Aufstiegsplatz spielen und kämpfen müssen, ist ja noch etwas ganz anderes als etwa die Relegation zwischen dem Dritten einer unteren und dem Drittletzten einer höheren Liga. Und natürlich werden die Spieler mit ihren Nerven zu kämpfen haben.
Ich habe die mir die Dynamos seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Winterpause regelmäßig im Fernsehen, im Streaming oder zumindest in Videoaufzeichnungen angesehen. Da war dann von wirklich großartigen Auftritten (wie etwa in Chemnitz beim 3:1) über „so lala“ (vor allem in der Endphase der Saison) bis hin zu auch schwachen und zerfahrenen Auftritten (wie etwa beim Ortsrivalen Lichtenberg oder gegen den Berliner AK) so ziemlich alles dabei. Der VfB war in der Endphase der Saison leistungsmäßig eindeutig stabiler; das belegen allein schon die Ergebnisse.
Was das alles in direkten Aufeinandertreffen bedeutet? Wenig bis gar nichts. Entscheidend ist ausschließlich „auf’ m Platz“. Und da haben sich der BFC Dynamo und der VfB – soweit ich weiß – bisher noch nie gegenübergestanden. So what? – Wait and see oder, wie der Teamchef Franz B. zu sagen pflegte: „Schaun mer mal.“
Eine Favoritenrolle wird der VfB sicher nicht beanspruchen oder sich aufschwatzen lassen; der BFC Dynamo und sein Trainer Benbennek (noch von seinen Trainer-Engagements beim TSV Havelse bekannt) wohl auch eher nicht.
Was kann man (wenn man denn als interessierter Laie so vermessen sein mag) Dario Fossi und seiner Mannschaft für die Relegationsspiele raten? Hier ein paar Ideen:
Thema Christian Beck:
Man sollte versuchen, ihm möglichst wenig hohe Flankenbälle von der Grundlinie her zukommen zu lassen. Dafür muss vor allem die linke Seite des VfB Joey Breitfeld (oder Matthias Steinborn) ausbremsen, dass da nicht mit Tempo bis zur Grundlinie durchgerauscht wird. Kann man die gefährlichen Flankenbälle von der Grundlinie unterbinden, ist schon einiges gewonnen. Hohe Diagonal-Bälle aus dem Halbfeld auf den Dynamo-Torjäger sind weitaus weniger gefährlich und erlauben der Abwehr mehr Reaktionszeit.
Thema Andor Bolyki:
Auch bei der notwendigen Konzentration auf Beck darf man den ehemaligen ungarischen Junioren-Nationalspieler nicht aus Dem Blickfeld lassen. Der schlägt gerne und durchaus auch oft zu, sozusagen aus dem Schatten von Beck, nicht selten auch mit Köpfchen aber überwiegend mit der rechten Klebe.
Gefahr aus dem Mittelfeld:
Der BFC Dynamo steht häufig sehr hoch und setzt den Gegner massiv unter Druck, um ihn erst gar nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. „Einladungen“ aus Risikopässen und Querspielerei können da schnell ganz böse enden. Besondere Aufmerksamkeit sollte Andreas Siebeck erfahren, der sich gerne mal vorne einmischt und (vor allem mit Rechts) ausgesprochen torgefährlich ist. Zu unseren Ex-Spieler Andreas Pollasch, seiner Zweikampfstärke und Spielübersicht, muss man hier wohl nicht mehr viel sagen.
Körperlich gegenhalten:
Eigentlich banal, darauf hinzuweisen, dass spielerische Mittel allein nicht reichen, um gegen den BFC bestehen zu können (gilt andersherum vermutlich gleichermaßen). Wenn dieser Punkt hier dennoch angesprochen wird, dann weil die BFC-Spieler durchweg körperlich robust zur Sache gehen und den Zweikampf nicht scheuen.
Den Ball flach halten:
Gegen die überwiegend groß gewachsenen Spieler in der Innenverteidigung und im Zentralmittelfeld würde ich hohe Bälle eher nicht empfehlen. Man sollte es vorzugsweise mit Tempo, über Außen und dazu eher flach und vor allem direkt versuchen, was etwa Ayo oder Brand liegen müsste, die antrittsschnell, beweglich und technisch „nicht ohne“ sind.
Und zum Schluss:
Support, Support, Support! Auch wenn es eng wird, selbst und erst recht bei einem eventuellen Rückstand. Die VfB-Mannschaft braucht – und verdient – jede nur mögliche Unterstützung von den Rängen, auswärts und zu Hause!
Damit war für mich Zeit genug, mich mal intensiver mit dem Relegationsgegner zu beschäftigen. Eine Corona-bedingte Quarantäne im April hat dann auch noch geholfen, Zeit zu erübrigen. Nachfolgend nun Teil 1 der Vorschau, in dem auf den Verein BFC Dynamo eingegangen wird. Zu danken habe ich dem kürzlich bei uns aufgetauchten Forumsmitglied "weinrotweiss", dessen Ratschläge und Hinweise sehr hilfreich waren.
Hier nun der erste Teil (Fortsetzungen im Lauf der Woche):
Der BFC Dynamo - Verein, Geschichte, Umfeld
Der Berliner FC Dynamo (nachfolgend zumeist kurz „BFC“ genannt) ist ein Fußballverein aus dem Berliner Bezirk Lichtenberg, genauer gesagt dem dortigen Ortsteil Althohenschönhausen. Der Bezirk Lichtenberg ist, was die Einwohnerzahl anbelangt, mit rd. 300.000 Einwohnern beinahe doppelt so groß wie die Stadt Oldenburg. In Lichtenberg gibt es mit dem SV Lichtenberg 47 einen weiteren RL-Verein, der aber im unteren Drittel der Tabelle steht.
Der BFC Dynamo war einmal - zu anderen Zeiten und unter ganz anderen Bedingungen - der 10fache Rekordmeister und dreimalige Pokalsieger der DDR. An diese Zeiten erinnert noch der eine Meisterstern auf den Trikots, den der DFB dem BFC für die 10 DDR-Meistertitel zugestanden hat (für 10 Bundesliga-Titel gibt es 4 Sterne vom DFB).
Als DDR-Fußballmeister hat der BFC auch regelmäßig im Europapokal (damals noch nicht Champions League) gespielt. Auch wenn hier wirklich große Erfolge nicht erreicht werden konnten, erinnert man sich gerne an Europapokal-Spielen etwa gegen britische Vereine (FC Liverpool, Aston Villa, Nottingham Forest, FC Aberdeen) aber auch gegen andere bekannte europäische Größen (u. a. den AS Rom und Roter Stern Belgrad).
Zwei deutsch-deutsche Begegnungen gab es im Europapokal (Landesmeister) auch. Im Oktober 1982 traf man auf den späteren Europacup-Sieger HSV (Hinspiel in Berlin 1:1, Rückspiel 2:0 für den HSV). 6 Jahre später, 1988, bekam man Werder Bremen (damals noch mit „König Otto“) zugelost. Das Hinspiel in Berlin ging glatt mit 3:0 an den BFC; ein Weiterkommen war zum Greifen nahe. Das Rückspiel gilt je nach Blickwinkel als „Wunder von der Weser“ oder als Skandalspiel. Werder gewann in einer aufgeheizten und feindseligen Atmosphäre mit 5:0 (1:0). Der BFC brach in der zweiten Halbzeit völlig ein. Werder-Manager Lemke hatte zuvor noch tief in die Trickkiste gegriffen (Einkaufstour mit Werder-Rabatt für die Dynamo-Spieler am Spieltag), um die Konzentration auf das anstehende Spiel „bestmöglich“ zu stören.
In der DDR waren Sportvereine staatlichen Institutionen oder Industriebetrieben (Kombinaten) zugeordnet, über die sie auch finanziert wurden. Dynamo-Vereine und Sportgemeinschaften waren im Umfeld von Polizei, Zoll und Sicherheitsbehörden angesiedelt, so der BFC Dynamo oder auch Dynamo Dresden.
Im Zuge der Wende war es damit dann vorbei. Der BFC Dynamo verlor seine materielle Basis und erst recht seine politische Vorzugsstellung. 1990 versuchte man durch das Ablegen des Namens „Dynamo“ vom alten Image wegzukommen, allerdings ohne nennenswerten Erfolg. 1999 kam das „Dynamo“ wieder in den Vereinsnamen zurück; man wollte sich nicht mehr von der eigenen Tradition lossagen.
Dass der BFC Dynamo zu DDR-Zeiten als DDR-Hauptstadtverein vieler Hinsicht von mächtiger politischer Protektion profitiert hat, ist unstrittig. Sportlich war das gelegentlich durchaus problematisch Allerdings sprechen die belegbaren Fakten nicht gleichermaßen dafür, dass die politische Bevorzugung so eindeutig war, wie sie vielfach unterstellt wurde. So stand etwa im 22er Aufgebot der DDR für die WM 1974 mit Reinhard Lauck nur ein Spieler des BFC, aber gleich mehrere aus Magdeburg oder Jena. Kein Vergleich also mit der Bayern-Lastigkeit der bundesdeutschen Nationalmannschaft.
Dennoch erweckte der BFC Dynamo anderenorts zu DDR-Zeiten reichlich Missgunst und Ablehnung, und das nicht nur aufgrund der sportlichen Sonderstellung, sondern auch aus eher politisch-oppositionellen Gründen.
Direkt nach der Wende gab es dann bei Spielen der DDR-Oberliga und speziell bei Auswärtsspielen des BFC vielfach ausartende Krawalle, bei denen sich aufgestaute Aggressionen Bahn brachen. Im besonderem Maß richteten die sich gegen den „Stasi-Verein“ BFC Dynamo. Das schaukelte sich häufig auf, da der BFC seinerseits auch von gewaltgeneigten Hooligangruppen begleitet wurde. Die schon in Auflösung befindliche und orientierungslos gewordene DDR-Polizei war dem weder mental noch einsatztaktisch gewachsen.
Trauriger Höhepunkt dieser Ereignisse war der Tod des Dynamo-Fans Mike Polley, der im November 1990 in Leipzig am Rande eines Auswärtsspiels beim FC Sachsen Leipzig von einem Polizisten erschossen wurde. Mindestens 5 weitere Dynamo-Fans erlitten damals durch das Vorgehen der Polizei schwere Verletzungen. Aufgeklärt wurden die näheren Umstände des aus dem Ruder gelaufenen Polizeieinsatzes anschließend nicht, von Verfahren gegen die Verantwortlichen ganz zu schweigen.
Die seinerzeitigen Ereignisse haben auf jeden Fall im kollektiven Bewusstsein der Dynamo-Fanszene und des Vereins selbst ihre Spuren hinterlassen und eine „Nun-Erst-Recht-Stimmung“ befördert, die wohl auch dazu beigetragen hat, den BFC durch die in jeder Hinsicht schwierige Nach-Wende-Zeit zu tragen.
Rechtsradikal angehauchte und potenziell gewaltbereite Gruppen spielen in der Dynamo-Fanszene leider auch weiterhin eine gewisse Rolle, dominieren diese aber inzwischen längst nicht mehr so wie in den frühen 1990er Jahren. Den von der Polizei geführten ABC-Listen gewalttätiger oder gewaltgeneigte Fans sollte man bei einer Einschätzung der Fanszene jedenfalls nicht vorbehaltlos vertrauen. Zu einer Beruhigung des Umfelds hat natürlich auch die inzwischen erreichte organisatorische, wirtschaftliche und sportliche Konsolidierung des BFC wesentlich beigetragen. Der Verein selber bekennt sich offensiv zu Gewaltfreiheit und leistet eine weithin anerkannt gute Nachwuchs- und Integrationsarbeit im Bezirk Lichtenberg.
Wirtschaftlich durchlebte der BFC nach der Wende schwierige Zeiten, die im Jahr 2004 zu einer Insolvenz führten (bei der dann auch das alte Dynamo-Logo verloren ging); sportlich ging es runter bis in die Fünftklassigkeit (Oberliga Berlin). Erfolge gab es immerhin im Berliner Landespokal, der zwischen 1999 und 2021 gleich 7 x gewonnen wurde und Zusatzeinnahmen aus der Teilnahme am DFB-Pokal einbrachte. 2014 gelang dann der Aufstieg in die Regionalliga Nordost (ehemalige DDR plus ehemaliges West-Berlin). Hier ging es bisher maximal bis Platz 4 hoch, bevor in dieser Saison die Meisterschaft der RL Nordost recht souverän gewonnen wurde. Der Aufstieg in die Dritte Liga ist jetzt das erklärte Ziel des Vereins. Perspektivisch möchte man sogar durchaus noch höher hinaus. Wie das gehen kann, hat südlich von Lichtenberg, in Köpenick, der FC Union ja eindrucksvoll vorgeführt.
„Zuschauerkrösus“ in der RL Nordost ist der BFC beileibe nicht. In der gerade beendeten Meister-Saison liegt der Zuschauerschnitt bei Heimspielen bei knapp unter 1.700 Zuschauern und damit deutlich unter dem Schnitt der Ligakonkurrenten aus Cottbus (rd. 3.900), Leipzig (Chemie rd. 3.400, Lokomotive rd. 2.500), Jena (knapp 2.400), Chemnitz (knapp 2.300) und Babelsberg (fast 1.900).
Wirtschaftlich wird der BFC Dynamo von mittelständischen Privatunternehmen getragen. Zu nennen sind diesbezüglich die INFINITY GmbH, ein Telekommunikationsdienstleister, die DWB-Holding (Dennis Wisbar Bau), eine Firmengruppe der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie die UNITEC GmbH (Fassadengestaltung und -sanierung). Die DWB ist zugleich auch Trikotsponsor. Ein „Big-Money-Klub“ ist der BFC damit nun wirklich nicht. Für die Dritte Liga soll ein Etat von immerhin „um die vier Millionen Euro gestemmt werden“ (Quelle: „Berliner Kurier“ vom 01. 03. 2022). Für einen Aufsteiger wäre das dann schon eine ordentliche „Hausnummer“.
Aktuell schlagen Auflagen des DFB zu, wonach eine bar zu hinterlegende Sicherheit von € 0,9 Mio. gefordert wird und zugleich eine Kürzung der Fernsehgelder um € 0,2 Mio. wegen fehlender Rasenheizung droht. Der DFB hat schon ein Herz für sportlich aufstrebende Vereine …
Die derzeitige Spielstätte des BFC liegt im Sportforum Hohenschönhausen, einem Komplex mit diversen Spiel- und Trainingsstätten für unterschiedliche Sportarten im Besitz des Landes Berlin. Das dortige Stadion ist allerdings nicht Drittliga-tauglich. Ein Ausbau mit der notwendigen Ertüchtigung für Drittliga-Fußball steht von politischer Seite aktuell wohl auch nicht zur Debatte.
Im Fall eines Aufstiegs würde man in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark (Bezirk Prenzlauer Berg) ausweichen, wo der BFC Dynamo schon zu DDR-Zeiten und auch noch danach für einige Jahre seine Heimspiele ausgetragen hat. Das Jahn-Stadion ähnelt vom Zuschnitt, sieht man einmal vom Flutlicht ab, durchaus dem Marschwegstadion. Lange würde man aber in diesem Stadion auch nicht bleiben können. Bereits 2023 oder 2024 soll dort mit dem Bau eines Inklusions-Sportzentrums (bzw. mit dem dafür geplanten Abriss des Jahn-Stadions) begonnen werden, ein - derzeit - auf um die € 200 Mio. veranschlagtes Projekt. Wo dann im östlichen Berlin Drittliga-Fußball stattfinden kann, muss die Zukunft erweisen.
Das so nicht erwartete große Interesse für die Vorschau auf unseren Relegationsgegner, über 1.000 Aufrufe innerhalb von 24 Stunden, hat mich veranlasst, mich mit dem zweiten Teil etwas zu beeilen. Hier ist er:
Teil 2:
Die Meistermannschaft des BFC Dynamo
Die im Text enthaltenen Informationen zu den erzielten Toren beinhalten Tore in Ligaspielen der RL Nordost (Angaben lt. Transfermarkt.de).
Auch wenn die zwei Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 Corona-bedingt vorzeitig abgebrochen wurden (2020/21 konnte der BFC nur 11 Spiele bestreiten, 2019/20 waren es immerhin noch 23 Spiele), war man sich beim im Verein darüber im Klaren, dass eine wirkliche Verstärkung des Kaders in der Spitze und in der Breite notwendig war, um aus dem Liga-Mittelmaß herauszukommen.
Im Sommer 2021 wurden 13 neue Spieler (darunter allerdings 5 ehemalige U19-Spieler) verpflichtet, zu denen im Winter 2021/22 noch zwei weitere hinzukamen. Im Gegenzug trennte man sich im Sommer von 7 Spielern, im Winter dann noch von einem weiteren. Der Kader wurde mit diesen Transfers vergrößert und umfasst jetzt 3 Torhüter, je 9 Abwehr- und Mittelfeldspieler und 6 Angreifer, insgesamt also 27 Spieler.
Als besonders gelungen kann man sicherlich die Verpflichtung des Mittelstürmers Christian Beck ansehen, der zuvor in 8 Jahren beim FC Magdeburg zur Stürmerlegende geworden ist. Fast 400 Spiele, davon mehr als 200 in der 3. bzw. 2. Bundesliga und 159 Tore, ein Rekord, der so schnell nicht zu überbieten sein wird.
Nach zwei für den FCM enttäuschenden Drittliga-Spielzeiten wurde der immerhin schon 34jährige Beck dort verabschiedet. Beim BFC Dynamo erlebt er jetzt seinen 3., 4. oder wievielten? (schwer zu sagen) sportlichen Frühling. Mit 23 Toren ist er der Top-Torjäger nicht nur seiner Mannschaft, sondern der RL Nordost. Hinzu rd. kommen 8 Torvorlagen und etliche indirekte Torbeteiligungen durch seine bloße Anwesenheit im gegnerischen Strafraum, die Innenverteidiger bindet. Der 1,96 m große Linksfuß Beck ist, natürlich, ein ausgesprochener Kopfballspezialist (9 Kopfballtore) mit dem Instinkt, sich im Strafraum im entscheidenden Moment der Bewachung zu entziehen. Er ist nicht nur selbst brandgefährlich, auch seine Nebenleute profitieren enorm von ihm.
Als ein weiterer Glücksgriff hat sich die Verpflichtung von Torhüter Dmitri Stajila. Der 30jährige ehemalige U19- und U21- Torwart Moldawiens war vereinslos, musste sich selbst am Spielermarkt anbieten und hatte das Glück, dass Trainer Benbennek bei ihm „anbiss“. Das Glück ist inzwischen beiderseitig. Der 2,04m-Riese Stajila verdrängte auf Anhieb den bisherigen Stammtorhüter Kevin Sommer als Nr. 1 im Tor des BFC. Stajila war in seiner ersten Saison beim BFC der große Rückhalt für die Defensive und wird von einer Berliner Boulevardzeitung schon als „Aufstiegsversicherung“ gefeiert; durchaus voreilig, wenn es nach mir geht.
Zum festen Stamm gehören von den Neuzugängen auch die beiden Außenverteidiger Sebastian Hertner (Türkgücü München) für die linke Seite und Andreas Wiegel (vereinslos) für die rechte Seite, wobei die Nachverpflichtung Hertners im Winter wohl auch dem langwierigen Ausfall des verletzten Max-Peter Klump geschuldet ist.
Durchgesetzt hat sich von den Neuzugängen auch Darryl Geurts (Union Fürstenwalde), eine offensiver Spieler für die linke Außenbahn. Felix Meier, der auf der linken Seite defensiv eingesetzt wird, ist ein Neuzugang, der zumindest ziemlich regelmäßig als Einwechselspieler gebracht wird.
Auf den übrigen Positionen findet man durchweg Spieler, die schon etwas länger für den BFC spielen. Das gilt für die Innenverteidigung, das komplette Mittelfeld sowie für die Position einer zweiten Angriffsspitze neben (hinter) Christian Beck, die Andor Bolyki einnimmt.
In welcher Formation und Spielweise darf man die Dynamos in den Relegationsspielen erwarten? Trainer Benbennek lässt überwiegend in einer 4:3:3-Formation spielen, variiert aber gelegentlich auch zu einer 3:5:2-Grundordnung, bei der je nach mehr oder weniger offensiver Spielweise die Außenpositionen im Mittelfeld nach vorne oder nach hinten verschoben werden. Grundsätzlich wurde aber nahezu die gesamte RL-Saison mit einer klaren Offensivorientierung und hoch stehenden Abwehr- und Mittelfeldreihen bestritten.
Im Tor steht sicherlich Dmitri Stajila (12).
Als Innenverteidiger sind Chris Reher (13) und Michael Blum (21) zu erwarten. Rechtsfuß Reher bringt es auf eine Größe von 1,87m, Linksfuß Blum sogar auf eine von 1,89m. Zusammen mit ihrem 2,04m-Riesen von Torwart bilden sie eine starke Formation gegen hohe Bälle.
Für die Außenverteidigung dürften rechts Andreas Wiegel (77) und links Sebastian Hertner (33) erste Wahl sein.
Als 6er im Mittelfeld kommen mit Niclas Brandt (6) oder Philip Schulz (7) gleich zwei Spieler in Frage. Möglich sind die beiden auch gemeinsam als Doppel-6. Zumindest als Einwechselung für einen der beiden ist noch Marcel Stutter (5) eine Option, ein 1,88m-großer und beidfüßiger Spieler. Brandt (1,82m, Rechtsfuß) und Schulz (1,80m, beidfüßig) sind beide ein Stück kleiner.
Für das zentrale Mittelfeld sind Kapitän Andreas Pollasch (8) und der sehr torgefährliche (11 Tore) Alexander Siebeck (18) zu erwarten. Pollasch stand allerdings zuletzt mehrfach nicht in der Startformation. Mit 1,84m bzw. 1,83m in der Länge sind beide nicht gerade klein. Pollasch gilt als beidfüßig, Siebeck als Linksfuß.
Die rechte offensive Außenposition ist so etwas wie die „Schokoladenseite“ der Dynamo-Offensive. Über sie laufen zumeist mehr Angriffe als über die linke Seite oder direkt durch das zentrale Mittelfeld. Von der rechten Seite her kommt die Mehrzahl der Flanken für die zentral postierten Stürmer. Zwei Kandidaten mit hoher Qualität stehen hier zur Wahl. „Platzhalter“ ist wohl Joey Breitfeld (14), ein Spieler für die rechte Seite im Mittelfeld und mit 14 Torvorlagen der Top-Torvorbereiter der Mannschaft. Alternativ kommt Matthias Steinborn (23) in Frage, vom Typ her ein rechter Außenstürmer. Beide schlagen ihre Flanken bevorzugt von der Grundlinie hoch in den Strafraum. Steinborn zieht auch mal gerne nach Innen und sucht selbst den Abschluss. Gleichzeitig sieht man beide eher nicht auf dem Platz, häufig aber in einem Spiel abwechselnd nacheinander.
Die zentralen Positionen im Angriff sind ziemlich fest vergeben. Christian Beck (9) ist als „Turm der Schlacht“ im Strafraum eine feste Größe. Neben oder hinter ihm, zumeist etwas links versetzt spielt dann mit Andor Bolyki (27) ein interessanter und auch torgefährlicher (17 Tore zumeist mit dem rechten Fuß) zweiter zentraler Stürmer. Gemessen an den 1,96m des Linksfußes Beck ist Bolyki mit „nur“ 1,87m Körpergröße ein Stück kleiner aber durchaus noch groß genug für Kopfball-Abschlüsse im Strafraum. Er ist zudem ein technisch beschlagener und sehr beweglicher beidfüßiger Spieler und dadurch eine sehr gute Ergänzung zu Beck.
In der vorgestellten Formation stecken (Fettdruck) 11 Feldspieler, einer zu viel. Für ein offensives 4:3:3 müsste ein defensiver Mittelfeldspieler draußen bleiben, in einer mehr defensiven Variante träfe es einen zentralen/offensiven Mittelfeldspieler.
Eine Variante, auf die Trainer Benbennek gelegentlich durchaus auch zurückgreift, ist die Dreierkette in der Abwehr. Für diese würde dann ein Abwehrspieler zugunsten eines kompakt besetzten Mittelfelds herausfallen. Eine extrem offensive Startformation, bei der Darryl Geurts (11) zu Lasten eines Abwehr- oder Mittelfeldspielers als dritter Stürmer (Linksaußen) aufgeboten wird, halte ich nicht für wahrscheinlich.
Wen darf man auf der Bank erwarten?
Für das Tor Kevin Sommer (79);
für die Abwehr Felix Meier (4), Luca-Renè Heinrich (29), Bastian Schrewe (3) und, sofern er nach längerer Verletzungspause schon wieder so weit ist, Max-Peter Klump (19);
für das Mittelfeld ist jeder aus der Riege schon benannten Brandt (6), Schulz (7), Pollasch (8) und Siebeck (18), der nicht in der Startformation steht, ein sicherer Bankkandidat, dazu noch Marcel Stutter (5) und Theodor Bergmann (24).
Dass sich auf der rechten offensiven Außenbahn Matthias Steinborn (23) und Joey Breitfeld (14) häufig abwechseln, wurde bereits erwähnt. Einer von beiden (ich vermute Steinborn) dürfte demnach zunächst auf der Bank auf seinen Einsatz warten.
Im Angriff ist ansonsten Darryl Geurts (11) als Wechselalternative zu erwarten. Er ist ein torgefährlicher (8 Tore) linker Außenbahnspieler, der aber auch auf der rechten Seite spielen kann.
In den Ligaspielen hat Trainer Benbennek das Wechselkontingent von 5 Spielern durchaus nicht selten voll ausgeschöpft, ohne dass er dazu durch Verletzungen oder Platzverweis-Risiken gezwungen war. Breitfeld/Steinborn ist dabei ein beliebter Wechsel, häufig zwischen der 65. Und 75. Minute, um nochmals „frischen Wind“ reinzubringen. Aus taktischen Gründen wird aber auch schon mal zur zweiten Halbzeit gewechselt. Wenn es in der ersten nicht richtig geklappt hat, scheut der Trainer auch keinen frühen Doppelwechsel.
Der BFC Dynamo ist in der RL Nordost ganz überwiegend deutlich offensiv aufgetreten. Das Mittelfeld und die Abwehr stehen dann gewöhnlich recht hoch, um den gegnerischen Aufbau nicht zur Entfaltung kommen zu lassen und um Umschaltmomente zu erzwingen.
Am Ende einer sehr stark und konstant durchgespielten Saison mit nur einer kleinen und wohl Corona-bedingten schwächeren Serie (11. Bis 14. Spieltag: 3 Unentschieden, eine Niederlage) hat es dann zum Saisonende hin doch etwas geholpert. In den letzten 6 Punktspielen gab es nur zwei Siege (1:0 gegen TeBe Berlin und 4:2 im letzten Spiel im Jahn-Sportpark gegen die VSG Altglienicke), ansonsten zwei Unentschieden (2:2 in Auerbach und in 1:1 Fürstenwalde) und sogar zwei Heimniederlagen (jeweils 1:2 gegen Jena und gegen den Berliner AK).
Wirklich in Frage gestellt wurde die Meisterschaft in der RL Nordost damit aber nicht mehr. Lokomotive Leipzig, der einzige verbliebene ernsthafte Verfolger büßte zum Schluss hin weitaus mehr Punkte ein als der BFC und der FC Carl Zeiss Jena nahm die Verfolgung deutlich zu spät auf und konnte seinen längst schon viel zu großen gewordenen Rückstand dann auch absehbar nicht mehr aufholen.
Rein rechnerisch blieb es zwar noch bis zum letzten Spieltag offen, tatsächlich war die Meisterschaft aber schon mindestens 3 Spieltage vorher entschieden. Allerdings hat der BFC in den letzten Spielen einer insgesamt sehr starken Saison einige Schwächen gezeigt. Gegen Altglienicke etwa hätte es ohne eine wirklich bärenstarke Leistung von Torwart Stajila durchaus statt nur 2 auch 3, 4 oder 5 Gegentore geben können. Speziell in der eigentlich starken Innenverteidigung gab es etliche Abstimmungsprobleme und daraus resultierende Lücken. Und auch das Mittelfeld hatte defensiv nicht den ansonsten zumeist guten Zugriff.
Um diese gegenüber dem vorherigen Saisonverlauf abfallende Schlussphase einzuordnen:
Am plausibelsten erscheint es mir, hier einen Abfall der Spannung anzunehmen, nachdem der Meistertitel allenfalls rechnerisch noch nicht eingetütet war, faktisch (zu 99,99%) aber durchaus schon. Gegen so einen Spannungsabfall helfen eigene gute Vorsätze und Ansprachen des Trainers nur bedingt. Was wirklich hilft, ist der Aufbau neuer Spannung im Hinblick auf ein neues und noch höheres sportliches Ziel. Und was das anbelangt, dafür ist gesorgt.
Im dritten Teil (morgen) wird darauf eingegangen, wer Favorit für den Gewinn der Relegation ist, bzw. ob es (vor dem ersten Spiel) überhaut schon einen Favoriten gibt. Zudem (ich bin einfach mal so vermessen) ein paar Hinweise dazu, wie der BFC bespielt werden könnte/sollte.
Teil 3:
Zum Spiel oder zu den beiden Spielen
Die Frage: „Wer setzt sich in der Relegation durch?“, kann hier natürlich nicht beantwortet werden. Auch die Frage danach, wer wohl als Favorit anzusehen ist, kann ich nicht beantworten. Nicht unbedingt alles, aber doch vieles scheint möglich. Wie es am Ende ausgeht, wird nicht zuletzt von der jeweiligen Tagesform und von Zufallsfaktoren abhängen, die man gerne auch als „Spielglück“ oder eben als „Pech gehabt“ ansehen mag. Und, ganz wichtig, vom jeweiligen Nervenkostüm der Akteure. „Verkackte Relegation …“, so (oder so ähnlich) hat es Dynamos Christian Beck nach dem Sieg im letzten Spiel in einem Interview gesagt. Und Recht hat er! Die Relegation, in der zwei RL-Meister um einen Aufstiegsplatz spielen und kämpfen müssen, ist ja noch etwas ganz anderes als etwa die Relegation zwischen dem Dritten einer unteren und dem Drittletzten einer höheren Liga. Und natürlich werden die Spieler mit ihren Nerven zu kämpfen haben.
Ich habe die mir die Dynamos seit Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Winterpause regelmäßig im Fernsehen, im Streaming oder zumindest in Videoaufzeichnungen angesehen. Da war dann von wirklich großartigen Auftritten (wie etwa in Chemnitz beim 3:1) über „so lala“ (vor allem in der Endphase der Saison) bis hin zu auch schwachen und zerfahrenen Auftritten (wie etwa beim Ortsrivalen Lichtenberg oder gegen den Berliner AK) so ziemlich alles dabei. Der VfB war in der Endphase der Saison leistungsmäßig eindeutig stabiler; das belegen allein schon die Ergebnisse.
Was das alles in direkten Aufeinandertreffen bedeutet? Wenig bis gar nichts. Entscheidend ist ausschließlich „auf’ m Platz“. Und da haben sich der BFC Dynamo und der VfB – soweit ich weiß – bisher noch nie gegenübergestanden. So what? – Wait and see oder, wie der Teamchef Franz B. zu sagen pflegte: „Schaun mer mal.“
Eine Favoritenrolle wird der VfB sicher nicht beanspruchen oder sich aufschwatzen lassen; der BFC Dynamo und sein Trainer Benbennek (noch von seinen Trainer-Engagements beim TSV Havelse bekannt) wohl auch eher nicht.
Was kann man (wenn man denn als interessierter Laie so vermessen sein mag) Dario Fossi und seiner Mannschaft für die Relegationsspiele raten? Hier ein paar Ideen:
Thema Christian Beck:
Man sollte versuchen, ihm möglichst wenig hohe Flankenbälle von der Grundlinie her zukommen zu lassen. Dafür muss vor allem die linke Seite des VfB Joey Breitfeld (oder Matthias Steinborn) ausbremsen, dass da nicht mit Tempo bis zur Grundlinie durchgerauscht wird. Kann man die gefährlichen Flankenbälle von der Grundlinie unterbinden, ist schon einiges gewonnen. Hohe Diagonal-Bälle aus dem Halbfeld auf den Dynamo-Torjäger sind weitaus weniger gefährlich und erlauben der Abwehr mehr Reaktionszeit.
Thema Andor Bolyki:
Auch bei der notwendigen Konzentration auf Beck darf man den ehemaligen ungarischen Junioren-Nationalspieler nicht aus Dem Blickfeld lassen. Der schlägt gerne und durchaus auch oft zu, sozusagen aus dem Schatten von Beck, nicht selten auch mit Köpfchen aber überwiegend mit der rechten Klebe.
Gefahr aus dem Mittelfeld:
Der BFC Dynamo steht häufig sehr hoch und setzt den Gegner massiv unter Druck, um ihn erst gar nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. „Einladungen“ aus Risikopässen und Querspielerei können da schnell ganz böse enden. Besondere Aufmerksamkeit sollte Andreas Siebeck erfahren, der sich gerne mal vorne einmischt und (vor allem mit Rechts) ausgesprochen torgefährlich ist. Zu unseren Ex-Spieler Andreas Pollasch, seiner Zweikampfstärke und Spielübersicht, muss man hier wohl nicht mehr viel sagen.
Körperlich gegenhalten:
Eigentlich banal, darauf hinzuweisen, dass spielerische Mittel allein nicht reichen, um gegen den BFC bestehen zu können (gilt andersherum vermutlich gleichermaßen). Wenn dieser Punkt hier dennoch angesprochen wird, dann weil die BFC-Spieler durchweg körperlich robust zur Sache gehen und den Zweikampf nicht scheuen.
Den Ball flach halten:
Gegen die überwiegend groß gewachsenen Spieler in der Innenverteidigung und im Zentralmittelfeld würde ich hohe Bälle eher nicht empfehlen. Man sollte es vorzugsweise mit Tempo, über Außen und dazu eher flach und vor allem direkt versuchen, was etwa Ayo oder Brand liegen müsste, die antrittsschnell, beweglich und technisch „nicht ohne“ sind.
Und zum Schluss:
Support, Support, Support! Auch wenn es eng wird, selbst und erst recht bei einem eventuellen Rückstand. Die VfB-Mannschaft braucht – und verdient – jede nur mögliche Unterstützung von den Rängen, auswärts und zu Hause!