Am Ende ist diese RB-Debatte eh leidig. Die Entscheidungen sind gefallen, dass DFB und DFL sich nur so lange für ihre eigenen Regrln interessieren, so lange es sich um kleine Vereine handelt. Ich hab mittlerweiile mit emotionaler Distanzierung zu dem Quatsch begonnen, auch weil ich es leid bin, immer die selben Debatten zu führen, die andauernd aneinander vorbeigehen. Die eine Gruppe (zu der ich mich grundsätzlich auch zählen würde) beharrt auf den Geist der ansonsten für allen anderen bindenden Regeln, versteht Fußball als eine Art Volkssport, das demokratische Elemente enthalten sollte, der in Stadt und Region verankert sein müsste, klammert sich dabei wohl an etwas an zu romantische Vorstellungen und hängt vielleicht auch Konzepten an, die nicht mehr in die Zeit passen. Wobei es natürlich auch das Wesen des Fußballfans ist, hoffnungsloser Romantiker zu sein. Wenn man nicht daran glauben würde, dass wenigsten in gewissen Maßen ein fairer Wettbewerb besteht, dass diesmal "unser" Tag ist, dass wir es heute allen zeigen werden, die immer gelacht haben, weil am Ende alle dieselben Chancen haben, auch weil man hofft, irgendwie mit seiner Anwensenheit, seinem Flehen, Singen, Pöblen Einfluss auf das große Ganze zu haben, könnte man sich das ja eigentlich auch gleich sparen (meine Meinung natürlich nur). Dementsprechend reagiert ein Teil der Fans nun auch mal wie ein verstoßener Liebhaber (durch Schimpfen, Verzweifeln, Aggression, Trauer, etc.), wenn ihm Verbände, Funktionäre, etc. die Sinnolosigkeit dieser Hoffnung immer wieder aufs neue vorführen, sobald der Batzen Geld groß genug ist...
Dann gibt es natürlich auch die Fraktion, die Tradition wie eine unhinterfragbare Monstranz vor sich herträgt und auch in anderen Belangen mit verkürzten Argumentationen auffällt. Ist natürlich nervig irgendwie. Andererseits ist Fußball halt auch immer noch ein Spiel, dass nicht nur von akademisierten Mittelschichtkids (zum Glück) besucht wird. Dementsprechend gibt es halt auch Ausdurcksformen, die gelinde gesagt nicht immer die schlauesten sind. Haben wahrscheinlich trotzdem irgendwie ihre Berechtigung, aber durch die Radikalität der Aussagen, machen diese eine tiefergehende Diskussion natürlich trotzdem recht schwer.
Andere Gruppen ziehen sich auf die Haltung zurück: "It's capitalism, baby. Learn to love it or leave it" Das erinnert mich dann immer etwas an das Argument, dass eh alle Steuern hinterziehen, weswegen es auch nicht tragisch wäre, wenn dies in diesem oder jenen Fall auftreten würde. Kann man natürlich sogar argumentieren. Was nützen Regeln, wenn sie eh alle ignorieren. Und es ist ja nicht so, als hätte RB den Kapitalismus im Fußball erfunden. Diese Haltung übersieht für mich, dass RB die Grenzen dessen, was machbar ist, allerdings weiter verschiebt als zuvor. Daran kann man sich ergeben, wie in den Fakt, dass auf jeden juristischen Pyrhus-Sieg über die Datensammelwut gleich ein neues Gesetz folgt, aber so ganz kann ich mich darauf nicht einlassen.
Dann gibt es die Gruppe, die einfach ungestört guten Sport sehen möchte und sich für all das nicht interessiert. Das ist okay. Kann ich verstehen. Ich kann auch verstehen, wenn Menschen zu Kik oder Primark gehen. Muss ich nicht gut finden, finde ich auch nicht gut und es zeugt meiner Meinung nach von einer gewissen Ignoranz gegenüber der kulturellen Bedeutung des Sports, aber ich kenn einige Leipziger, die zu RB gehen. Find ich doof, sage ich ihnen auch, aber wie Senf schon sagte, die finden sicherlich auch Dinge doof, die ich mache. Wir reden ja auch letztendlich von einem strukturellen Problem, auch wenn mich sicherlich keine 10 Pferde in das Stadion bekommen würden. Aber einfach nur Sport sehen zu wollen, ist eine berechtigte Haltung. Geht mir, wenn ich Basketball, Handball, Eishocky oder sonst was schaue ja auch so, dass ich von den Hintergründen nicht viel weiß.
Die letzte Gruppe ist dann die Fraktion Sky und Wirtschaft, die sich einfach nur denkt: "Geil. Da kann ich viel Geld mitverdienen. Lass den Scheiß mal durch die Wand hypen, alle Kritiker als traditionalistische Ewiggestrige darstellen (von denen es unter den Kritikern ja wirklich einige gibt), dann muss man sich nicht mit Sachargumenten auseinandersetzen. Und ehrlich? Ist nicht diese Sky-Regenjacke powered by Emotions fuelled by Bull Energy made for a bette living nicht das beste Produkt, das sie je gesehen haben. Rufen Sie jetzt hier an und erleben sie einen wunderbaren Tag als Superfan."
Hmm wenn ich mir den Textkörper da schon wieder anschaue, scheint es mich das Thema doch noch ein bißchen zu interessieren, aber letztendlich kommen diese grob fünf Gruppen an Diskutanten eh nicht zusammen, da ihnen unterschiedliche Dinge wichtig sind. Deswegen sind diese Debatten so unendlich ermüdend, weil sie sich am Ende jeweils wiederholen. Bleibt letztendlich nur zu hoffen, dass in Leipzig das passiert, was in Salzburg gerade passiert:
http://www.faszination-fankurve.de/inde ... s_id=14565