Re: Andere Supporters
Verfasst: 04.03.2014 19:39
Da lobe ich mir irgendwie England.
https://www.oldenburg-forum.de/
der neue cody hat geschrieben:naja
ich bin ab jetzt fan des "wahren fans" senf!Senf hat geschrieben:Bei derben Niederlagen supportet wurde auch schon bevor sich irgendwer Ultras auf die Fahnen gemalt hatte. Ich erinnere mich an die 0:7 Klatsche in Osnabrück. Schon damals wurde skandalös (gut) gezündelt im Block. Es hat nur keine Ottos gegeben, die sich darüber beschwert haben, da es als Bestandteil der eigenen Fankultur gesehen und zudem von außen weniger stark sanktioniert wurde.
Ansonsten Scheiß KonsumentInnen, Scheiß Ultrachöre. Wahrer Fan bin nur ich und wartet erstmal ab, bis ich meinen ersten Zeitungsartikel hab und euch allen sage wie kacke ihr doch seid: Mit eurem ritualisierten Geklatsche bei Standarts, Dreibuchstabenschlachtrufen, Auspfeiffen von Spielern und melodischen Dauersupport! Wo ist da noch die Spontanität, wenn immer gleich agiert wird?
Und wenn wir jetzt mal ernsthaft die Sache betrachten: Auch der kritisierte Ultràsingsang ist mit dem Geschehen auf dem Rasen gekoppelt. Läuft es schlecht kann er monoton daher kommen, läuft's gut explodiert die Stimmung im Block. Ähnlich ist es beim situationsbezogenen Anfeuern. Der Rest ist Geschmackssache und Generationenkonflikt.
Denn wenn et Trömmelche jeht, dann stonn mer all paratDino hat geschrieben: Da gilt, auch wenn der Karneval erst einmal vorbei ist, der Spruch: "Jeder Jeck ist anders".
Jeder der mal ein gutes Spiel auf der Insel gesehen hat, wird verstehen was ich damit meine. Dort wird wirklich noch spielbezogen reagiert und angefeuert. Dann ist es zwar auch mal ein paar Minuten leise, aber wenn die Inselthommys abgehen, dann kann der gemeine Deutsche Ultra seine Kindergesangsstimme einstecken und nach Hause gehen. Und beim Torjubel sind die sowieso richtig krank dabei...Revo hat geschrieben:also besser gar kein support?
Im Zuge des vergangenen Wochenendes und den Geschehnissen auf den Fußballplätzen werden wieder einmal die Ultras als nervige Begleiterscheinung des Fußballs bezeichnet.
Der Einfachheit halber nimmt sich regelmäßig ein absolut „investigativer Journalist“ die größte deutsche Jugendkultur vor und berichtet über die vermeintlichen Fehltritte der „sogenannten Fußballfans“. So waren es in den vergangenen Jahren das Chaotentum und das Abbrennen von Pyrotechnik.
Jetzt fällt selbst den Journalisten auf, dass diese Themen leicht inflationär behandelt wurden. Sie mischen die Thematik einfach mal und thematisieren, dass die Ultras bis zur letzten Minute für ihre Mannschaft singen, obwohl diese eine desaströse Leistung auf dem Platz zeigt. Hierbei spricht ein „glanzvoller“ Vertreter seines Faches davon, dass sein Stadion zu einem „schlechten Radiosender“ verkommen ist, der nur von einem monotonen Singsang bestimmt wird.
Kennt er die Theorie nicht, die besagt, dass Männer deswegen in ihr Stadion gehen, um dort ungestört singen zu können?
So stellt sich mir die Frage, wann jemand das Stadion eines Vereins als „sein Stadion“ bezeichnen kann? Geht dieses schon dann, wenn er bereit ist, das Geld für eine Dauersitzplatzkarte und Bier zu investieren? Oder darf man ein Stadion sein Eigen nennen, wenn man darüber hinaus vielleicht etwas für den Verein tut?
Mit welcher Berechtigung wird hier darüber gesprochen, dass Menschen in der heutigen Gesellschaft mehr im Fußball sehen als bloßen Konsum? Ja natürlich ist Fußball mehr als bloßer Konsum. Es ist Selbstbestimmung, Leidenschaft und vor allem ein Ausbruch aus den Teilen dieses Landes, die nur noch Bausparverträge füttern und darauf warten, sich wieder den neuesten Audi in die Garage stellen zu können.
So wird erwähnt, dass am Anfang, die Ultras wie ein erfrischender und neuer Radiosender die deutschen Stadien belebt haben und jetzt einfach nur noch nerven. Was nervt den deutschen Bürger denn eigentlich nicht? Die Kurve spiegelt die Gesellschaft wieder und somit einen letzten Raum, der in ganz Deutschland von vielen Menschen als Ausdruck für Gesellschaftskritik genutzt wird. Wie einfach ist es, Ultras zu politisieren und zu einem ewigen Thema zu machen, obwohl es 1000 andere Themen gibt, die gesellschaftspolitisch ganz andere Ausmaße annehmen.
Aber das Rumhacken auf den Ultras hat nun eine lange Tradition und eine auflagensteigernde Wirkung.
Die Zahl der Artikel, die thematisieren, dass Ultras eine fast sozialpädagogische Wirkung auf alle Beteiligten haben, dass sie zahlreiche Aktionen organisieren, sie sozialen Zwecken dienen und vor allem in der heutigen Gesellschaft einfach einen Halt geben, kann ich gerade an einer Hand abzählen. Das, was in den Stadien passiert, sind gerade mal 90 Minuten, die die Öffentlichkeit mitbekommt, aber was sich sonst dahinter verbirgt, wissen meist nur die Akteure von Fanprojekte und Menschen, die sich über die täglichen Medien hinaus informieren. So müssen sich alle Journalisten vorwerfen lassen, dass sie ewig und drei Tage von den Ultras berichten, aber das Bild in keinster Weise komplettieren und die Ultras gar keine Chance bekommen, anders wahrgenommen zu werden. Wie verwunderlich ist es nun, dass den Ultras ein nazistisches Bild unterstellt wird? Zumal die Doppelmoral die Fankultur mit einer ungeahnten Härte trifft, wie kaum ein anderer Bereich in Deutschland.
In Zeiten, wo es der Fortschritt erlaubt, ein sicheres Stadionerlebnis zu garantieren, sind bengalische Lichter kein Ausdruck mehr von südländischer Atmosphäre, sondern Krawall. Bei Wintersportveranstaltungen keine Zeile wert, sind die bengalischen Lichter im Fußball sofort ein Aufmacher für die neuesten Fußballkrawalle. Jede Woche prügeln sich in den Diskos 1000 Menschen und wenn im Fußball einmal ein Scharmützel entsteht, hagelt es Anzeigen wegen Landfriedensbruch und Stadionverbote, dass dem aktiven Fan nur so die Ohren klingeln. Die Verhältnismäßigkeit ist doch schon längst verloren gegangen in diesem Land. Anstatt sich darüber zu freuen, was der Fußball bewegen kann, es sind immerhin 80000 Fußballspiele jede Woche in ganz Deutschland, wird reguliert, gemeckert, verboten, was das Zeug hält. Und doch haben wir die sichersten Stadien der Welt, und es ist statistisch wahrscheinlicher, sich auf dem Weg zum Stadion zu verletzen, als im Stadion selbst. So sei ein letztes Mal gesagt, dass es in zwei Wochen Oktoberfest zu mehr Festnahmen und Körperverletzungen kommt, als in einer ganzen Bundesligasaison.
Wo zur Hölle nehmt Ihr Euch nun das Recht heraus immer wieder zu urteilen zu verbieten zu richten und zu meckern? Nehmt Ihr es den Ultras wirklich übel, dass sie Bengalos zünden? Oder bewegen diese Vorgänge in Euch etwas, was Euch unangenehm ist? So wird den Deutschen ein Spiegel vorgehalten, in dem Sie sehen, dass sich leider doch nicht alles um Steuern zahlen und den neuesten Audi dreht, sondern, dass man mit seinem Leben auch etwas anderes anfangen kann. Das macht Euch Angst, weil Ihr es nicht verstehen könnt, dass Menschen ihr ganzes Geld für einen Verein ausgeben, anstatt den Bausparvertrag zu füttern.
Im Hier und Jetzt leben und einmal nicht an morgen denken, sind Lebensprinzipien aus vergangenen Tagen, weil wir wissen, dass wir morgen etwas zu Essen auf dem Tisch haben. Daher kommt Euch das Wertlegen auf alte Vereinstraditionen dumm vor, wo wir doch alles bequem von der Couch aus sehen könnten, so kann man einen Teil der Menschen aber nicht mehr bewerben und ködern, sodass Sie sich gezwungen fühlen, zu alten Lebensstilen zurückzukehren und diese zu leben, bis der letzte Cent des Monats für eine Zugfahrt draufgeht, die in eine andere Stadt führt.
Die Entwicklung der Gesellschaft ist der perfekte Nährboden für solche Fußballfans, die noch etwas anderes im Fußball sehen als diese 90 Minuten. Wenn man den „Vorfall“ im 100. Nordderby in Bremen rational betrachten würde, dann könnte man sagen, dass die Bremer seit 15 Jahren nicht mehr im eigenen Stadion gezündet haben, jetzt haben Sie es gemacht, es ist wie immer nichts passiert, also abhaken, aber das Bild, welches die Medien seit Jahren schmieden, macht es dem Zuschauer unmöglich über solche Aktionen objektiv zu urteilen, da alles nachgeplappert wird, was einem die Medien vorschreiben. Wo bitte sind die Zahlen, die eine solche Diskussion schon wieder rechtfertigen? Es sterben mehr Leute bei der Haushaltsarbeit, als dass Menschen bei Pyrotechnik zu Schaden kommen. Aber diese Schreie treffen seit Jahren auf taube Ohren. Alle aktiven Fans sollen ihr Verhalten hinterfragen und reflektieren. Wann hinterfragt Ihr, die immer über die aktive Fanszene urteilt, Euch einmal? Nie! Denn Ihr seid es, die Geld damit verdienen, dass Menschen Abseits von der Vorstellung einer modernen Gesellschaft ihre Leidenschaft ausleben und es somit auch noch zu einem Politikum machen. So gäbe es wohl keine nervigen Hafensänger ohne die Fischer-Chöre.
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