Hatten wir doch vor 21 Jahren auch alles schon. Markus Gaubatz nach der 3:1-Klatsche bei Arminia Hannover im März 2002. Im Oldenburger Fanzine "SKØL" wurde dann dieser Artikel veröffentlicht:
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Darf der das?
Schlusspfiff! Die Mannschaft stand deprimiert mit hängenden Schultern und gesenkten Köpfen auf dem Platz. Die Stimmung bei den Fans rutschte ebenfalls auf unter Null. Zumindest noch ein Ehrentreffer per Elfmeter - könnte es das gewesen sein? Wo ist die Übermannschaft aus der Hinrunde geblieben, der es egal war, welcher Club zur sportlichen Hinrichtung vorstellig wurde.
Unser Team ist gerade 3:1 am Bischofsholer Damm abgeledert worden - und das gegen eine Mannschaft, die ebenfalls weit davon entfernt ist, die in sie vor Saisonstart gesteckten Erwartungen zu erfüllen. Vereinzelt gab es hämische "Arminia, Arminia"-Rufe von den Rängen. Zwei unserer Spieler gingen trotz oder gerade aufgrund dieser Rufe zu den aufgebrachten Fans, die sich inzwischen am Zaun postiert hatten. Der erste Spieler am Zaun war Karsten Imort, der einem erregten Supporter auf den Rängen gestikulierte, er möge doch die wenigen Treppenstufen herunterkommen und sich ihm einer Diskussion stellen, anstatt aus der Entfernung herumzupöbeln. Der lehnte ab.
Am Zaun kam es dann zu manchen Wortwechsel. Imort warf den Fans vor, dass die Mannschaft während der letzten halben Stunde nicht mehr unterstützt wurde, verneinte aber, dass dies der Grund für die Niederlage gewesen sein soll. Inzwischen stand auch der herangeeilte Markus Gaubatz am Zaun. Ein jüngerer Fan beschwerte sich über ungefähr 350 gefahrene Kilometer für einen Grottenkick, womit er von der Sache her durchaus Recht hatte. Und dann fiel er - der Spruch des Markus Gaubatz', der noch für eine Zeit unsere Gemüter erregen sollte: "
Dann bleib' doch nächstes Mal zu Hause". Ein satter Fausthieb in das Gesicht eines jeden VfB-Fans! Die Aufregung und Empörung war entsprechend groß und die getätigte Aussage verbreitete sich in Windeseile innerhalb der mitgereisten Anhängerschaft.
Aufgrund der erneut unzureichenden Leistung unserer Lieblingskicker wurde spontan eine Sitzblockade vor dem Mannschaftsbus organisiert. In Vorgesprächen mit diversen Funktionsträgern des VfB wurde selbstredend auch "die Situation am Zaun", wie der Vorgang inzwischen einhellig von allen genannt wurde, von den Streikenden angesprochen. Beschwichtigend und mit ruhiger Stimme wurde auf die quirligen Aktivisten eingeredet und wiederholt versichert, dass die Aussage sicherlich im Affekt, also unter dem Eindruck und der Enttäuschung der kürzlich abgepfiffenen Niederlage entstand.
Als der betroffene Spieler dann am Bus aufgefordert wurde, sich den Vorwürfen zu stellen, wurden viele Erwartungen bezüglich einer ausstehenden Entschuldigung oder Erklärung nicht erfüllt. Der Spieler beharrte auf seiner Aussage und nahm auch nicht das Mindeste zurück, was die Laune zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt steigerte. Nachdem einige Versprechen bezüglich einer gemeinsamen Aussprache zwischen Spieler, Fans und Trainer getätigt wurden, sollte es dann auch genug Sitzblockade am Sonntagabend gewesen sein.
Nachdem auf die Schnelle einige Spieler benannt wurden, die auf jeden Fall bei dieser Aussprache anwesend sein sollten, konnte der gemeinsame Termin dann am folgenden Mittwoch mit freundlicher Unterstützung der Arbeiterwohlfahrt in deren Räumen stattfinden. Bis auf Jacek Janiak, der noch am Abend des Hannover-Spieles suspendiert wurde, kamen alle geladenen Spieler inkl. Trainer und Co-Trainer.
Es wurde viel darüber gesprochen, wie das Verhältnis zwischen Spieler und Fans verbessert werden könnte. Zum Beispiel wurde klar, dass keiner der Spieler wusste, dass sich jeden Mittwoch einige Fans im Fanprojekt treffen und dass sie dort jederzeit herzlich willkommen sind. Maxe versprach darauf, die Mannschaft für dieses Thema zu sensibilisieren und auch nachhaltig noch einmal die Spieler darauf aufmerksam zu machen.
Im weiteren Verlauf des Abends wurde wohl den meisten klar, dass die Vorkommnisse vom Spiel bei Arminia (vermutlich) nicht passiert wären, wenn sich Spieler und Fans besser gekannt bzw. einen näheren Kontakt zueinander gehabt hätten. An dieser Sache sollten wir (Verein und Fans) alle arbeiten und uns ins Bewusstsein rufen, dass es gemeinsam immer leichter geht als alleine. Seitens der Mannschaft wurde extra noch einmal betont, dass jeder Fan beim Training gerne gesehen ist.
Markus Gaubatz ist übrigens auch während dieses Gespräches nicht von seiner Meinung abgekommen, dass die Leute, die lieber die gegnerische Mannschaft anfeuern, das nächste Mal doch zu Hause bleiben mögen. Jetzt weiss ich nicht, ob ich ihn wegen seiner Uneinsichtigkeit hassen oder wegen seines Sturkopfs und seiner eigenen Meinung mögen soll. Zumindest hat er im darauffolgenden Spiel gegen Schüttorf zwei Tore erzielt. Gratulation!